Interview mit Michael Grosser von aFlattr
Montag, März 14, 2011 at 9:40AM Letzte Woche haben wir hier aFlattr vorgestellt, den Dienst, mit dem man Amazon dazu bringen kann, sein eigenes Flattr-Budget aufzubessern, und über das Wochenende hatten wir das Vergnügen ein Email-Interview mit Michael Grosser zu führen, dem jungen Mann hinter aFlattr steht, und der sich trotz Abiturstress und 4-Stunden-Arbeitswoche die Zeit dafür genommen hat. Darin erzählt er wie er Amazon und Flattr von seiner Idee überzeugen konnte, wie es ihm mit seiner Firmengründung ergangen ist, warum er Cloud Computing für gefährlich hält und was er mit aFlattr in Zukunft noch vorhat.
Das komplette Interview gibt es hier.
Thilo: Wer steht hinter aFlattr? Wer hatte die Idee, wie groß ist das Team?
Michael: Zur Zeit steht die SeeTheProgress UG hinter aFlattr. Da diese primär aus mir (Michael Grosser) besteht ist das aFlattr Team recht überschaulich.
T: Das ist mir auch aufgefallen. Bei aFlattr geht das Geld an den Einkäufer (der es freilich gleich wieder verflattern muß), während es bei "normalen" Affiliate-Programmen an den "Werbepartner" geht, der Amazon-Links auf seinen Seiten unterbringt.
M: Dem Nutzer mehr Kontrolle zu geben hört sich für Contentprovider nicht gut an. Jedoch gibt es einige positive Punkte. Ein einzelner Contentprovider könnte alleine keine derartigen Affiliate Raten erreichen und würde sicher nicht bei vielen Programmen teilnehmen.
T: Dieser Vorteil ergibt sich dadurch, daß aFlattr gegenüber Amazon als einziger Affiliate auftritt, die Einkäufe bündelt, und dadurch in eine höhere Auszahlungsklasse kommt?
M: Richtig.
Die Sorge, daß durch aFlattr Einnahmen aus Affiliate-Posts wegfallen, will ich nicht bestreiten, jedoch sollten diese Ausfälle durch ein erhöhtes Flattreinkommen kompensiert werden.
T: Naja, ob das so klappt...
Man kann ja bei Amazon auch recht teure Dinge wie Computer kaufen, und vor allem in den USA gibt es bestimmt Leute die fast ihre gesamten Einkäufe über Amazon erledigen. Die kommt an Provisionen sicher einiges zusammen.
M: Teure Dinge sind besonders bei Amazon nicht der Hauptteil. Denn 10€ ist die maximale Provision pro Produkt. Viele kleinere Dinge im Bereich von 50-100€ sind da ertragreicher. Ich hoffe natürlich, dass durch die Integration von neuen Shops, die Möglichkeit für Provisionen stark ansteigt.
T: Aber aFlattr respektiert ja existierende Affiliates und überschreibt diese nicht, so daß überhaupt keine Einkommenseinbußen entstehen sollten, oder doch?
M: Keine Einbußen bei den direkt verlinkten Produkten. Aber was viele Nutzer nicht wissen, 24 Stunden lang werden alle eingekauften Produkte auf diesen ersten Affiliate Link bezogen (Amazon - ähnliche Vorgehensweise bei anderen Programmen). aFlattr unterscheidet jedoch zur Zeit nur zwischen direkter Verlinkung oder eben keiner, alle nicht direkt eingekauften Produkte werden somit aFlattr zugeordnet.
T: Wie bist Du auf Flattr aufmerksam geworden? Benutzt Du auch andere "Social Payment/Microdonation"-Dienste (oder hast eine Meinung dazu)?
M: Ich bin durch das Surfen nach Micropaymentanbietern auf Flattr gestoßen. Bevor ich bei Flattr hängen geblieben bin, habe ich Kachingle ausprobiert. Kachingle war mir jedoch zu aufdringlich. Ich wollte nur Artikel sponsoren die ich wertvoll finde und nicht jeden Artikel den ich lese (Bezahlung pro Seitenaufruf).
T: Du bist Abiturient, und wirst im Sommer anfangen zu studieren. Aber Du hast auch schon Deine eigene
Firma, eine UG. Glückwunsch dazu. War die Firmengründung schwierig/stressig? Sonstige Kommentare zu diesem Thema?
M: Ich bin derzeit Abiturient (LK Mathe und Physik, die anderen Abiturfächer sind Wirtschaft und Englisch) und bin in circa 2,5 Wochen damit fertig. Mein Studium werde ich im Sommersemester an der Universität Bamberg antreten. Mein Studiengang wird BWL und die Nebenfächer Informatik und Psychologie/Marketing beinhalten.
Danke für die Glückwünsche. Die Firmengründung an sich war für mich eine interessante Erfahrung. Verschiedene Rechtsformen zu vergleichen, Vor- und Nachteile abzuwägen etc. fand ich wirklich lehrreich.
Mit 17 Jahren hab ich mit der Idee einer Firmengründung gespielt, mußte damit aber bis zum 18. Geburtstag warten. In diesem Übergangsjahr habe ich Rechtsformen, Reglementierungen, Verträge etc. begutachtet und alles in eine theoretische Firma zusammengefasst.
Ich habe mich natürlich auch mit diversen Profis unterhalten und abgesichert. Unter diesen Profis waren unter anderem diverse Steuerberater, Buchhalter, Rechtsanwälte und Firmenvorstände. Klingt jetzt alles recht teuer bzw. nach "Wow wie hat der das nur gemacht", um ehrlich zu sein, es waren alles Bekannte oder Eltern von Freunden.
Wenn Ihr Vergleichbares vorhabt und mehr Informationen benötigt, fragt einfach mal in eurem Freundeskreis. Profis oder Spezialisten lieben es über ihr Fachgebiet zu reden bzw. zu diskutieren.
Nachdem ich alle Informationen aufbereitet hatte, mussten natürlich auch rechtskräftige Aussagen her. Es folgten Termine mit Steuerberater, Rechtsberater und Notar, um alles abzusegnen.
Ich könnte noch viel darüber erzählen, aber das ist für die meisten Leser wahrscheinlich einfach nicht so interessant wie für mich...
T: Um aFlattr zu verwirklichen, brauchtest Du Unterstützung (oder zumindest Genehmigung) von Flattr und auch von Amazon. Wie ist das zustande gekommen?
M: Nachdem die Idee zu aFlattr geboren war und viel Zeit in die theoretische Verwirklichung geflossen war, bedurfte es einiger Anforderungen. Zuerst entsprach das Partnerprogramm mit Amazon nicht meinen Bedürfnissen. Zudem ist die Auszahlung an die Kunden selbst nicht gestattet.
Nach gefühlten 100 eMails an die Partnerprogramme in Deutschland, England, Italien, Frankreich, Kanada und den USA, wurde mir eine Supportnummer aus den USA geschickt.
Dann gingen die Gespräche mit Amazon los.
T: Per Telefonkonferenz in die USA?
M: Ja. Telefonkonferenz per Skype auf meinem Handy in die USA.
Mit Flattr war es ähnlich, da es zur Zeit noch kein System gibt, Zahlungen an einzelne Accounts automatisch zu realisieren, brauchte ich die direkte Unterstützung von Flattr.
Wie genau das mit Amazon und Flattr aussieht würde eindeutig zu weit führen.
T: Zusammenfassend haben also weder Amazon noch Flattr Systeme gehabt, wie Du sie gebraucht hast, und Du hast sie solange beredet, bis sie sich Dir angepasst haben. Bin beeindruckt.
M: Amazon hatte durch ihr normales Partnerprogramm schon die Basis für mein Projekt. Es mussten nur einige Dinge angepasst werden. Bei Flattr fehlt dafür noch ein bisschen die Basis, aber vielleicht ändert sich das ja in nächster Zeit. Aber ja es bedurfte einiges an Gerede.
T: War es schwierig, weil es sich um Geld dreht? Wenn man sich auf den Flattr-Foren umhört, dann heißt es immer, wegen der vielen gesetzlichen Regelungen muß Flattr sehr vorsichtig sein, was es tut, und kann
auch nicht alle Dienste anbieten, die es gerne möchte.
M: Ein Vorteil war sicher, dass sich ein Unternehmen hinter dem Projekt verbirgt, welches haften würde. Ein zusätzlicher Vorteil war die Verbindung mit Amazon und einige lange Diskussionen mit dem Flattr Team.
Diese Regelungen sind wirklich etwas stressig, da ich noch ein anderes Projekt für Flattr fertig realisiert hatte, welches dank Regulierungen als nicht durchführbar abgetan wurde.
T: Kannst Du sagen, worum es dabei gehen sollte?
T: Ein Relaunch (oder zumindest viele neue Features) ist bereits angekündigt. Woran arbeitest Du, worauf dürfen wir uns freuen?
M: Es wird wohl schon fast auf einen Relaunch hinauslaufen. Der Umfang der Veränderungen ist groß, diese werden die jetzige Nutzung jedoch nicht beeinträchtigen. Alle jetzt funktionierenden Extensions werden auch weiter funktionieren und mit Hilfe von Updates ins neue System integriert.
T: iTunes ?
T: Wer Dir eine Mail schickt, kriegt eine automatisierte Eingangsbestätigung, in der es heißt, daß Du wegen
Überlastung nur zwischen 16 und 17 Uhr Mails liest, und nur Freitags von 15 bis 18 Uhr antwortest, außer es ist dringend.
M: Die Idee ist von 4HourWorkWeek abgeschaut.
T: Hälst Du Dich tatsächlich daran? Beschwert sich manchmal jemand darüber? Und ist es wirklich so schlimm?
M: Diese Mail läuft seit einigen Monaten zu Testzwecken und derzeit hat sich noch keiner beschwert.
Durch diese Mail, ist sofort klar, dass eine Antwort mal länger dauern kann und warum.
Die Arbeitüberlastung ist natürlich durch Abitur und diverse Projekte vorhanden, jedoch versuche ich bei wichtigen eMails so früh wie möglich zu antworten.
Besonders bei aFlattr freut mich Feedback und es fällt mir schwer interessante Mails unbeachtet zu lassen.
T: Das heißt, Du hast dann doch den ganzen Tag den Mailclient laufen,
und guckst nicht nur jeden Tag eine Stunde drauf?
M: Kommt auf das Projekt an. Zur Zeit werden alle Mails, die aFlattr betreffen, direkt an mein Handy weitergeleitet. In den Anfangsphasen versuche ich Fehler, falls es welche gibt, so schnell wie möglich zu beheben.
Andere Projekte haben diesen Status nicht mehr, die dürfen warten.
T: Hast Du (oder SeeTheProgress) noch andere Projekte, auf Die Du hinweisen möchtest?
M: Die SeeTheProgress UG hat einige andere Projekte. Viele davon sind Tools (UrlShortener, Projektmanagementtools etc.), andere Projekte beinhalten Websitehosting, Shopmanagement, Marketing und Merchandizing.
Warum UrlShortener oder warum eigener Server (könnten vielleicht Cloudverliebte fragen)?
Ich benutzte lieber Tools die ich selber unter Kontrolle habe. Eine Public Cloud wie Amazon zu nutzen, missfällt mir.
Ein eigener UrlShortener gibt Nutzern von SeeTheProgress-Projekten die Sicherheit, daß diese Links von mir und nicht von anderen Firmen oder dergleichen kontrolliert werden.
Warum ein eigener Server? Erstens liebe ich das ausprobieren von neuen Funktionen (keine Sorge, immer separat vom Projektserver) und zweitens sind alle Daten für die ich verantwortlich bin auch in meiner Kontrolle.
Im Falle aFlattr wird gesammelt, wieviel Geld eine Flattr-ID an Provisionen bekommen hat (zwingend für die Funktionsweise nötig). Mehr Daten werden nicht benutzt/gespeichert, Amazon gibt auch nicht mehr Daten frei.
Trotzdem fühle ich mich in der Pflicht diese Daten zu schützen und nicht auf von den USA kontrollierten Servern zu hosten (Amazon). Nach der Umstrukturierung werden alle Daten in Deutschland auf Servern liegen. Mit diesem Schritt hoffe ich die Angst einiger Nutzer zu nehmen.
T: Sehr löblich. Datenschutz ist so ein Lieblingsthema von mir. Löschst Du die Daten, sobald sie nicht mehr abrechnungsrelevant sind?
M: Über das Löschen hatte ich noch gar nicht nachgedacht.
Zur Zeit sind ja noch alle Daten relevant, aber ich werde mich bemühen alle nicht mehr relevanten Daten entweder durch Anonymisierung (löschen der Flattr-ID) oder komplette Löschung unschädlich zu machen.
Wie gesagt ich bin in der Hinsicht etwas paranoid und versuche alle Daten abzusichern...
T: Das paßt doch gut. Ich bin in der Hinsicht etwas paranoid und versuche alle Daten zu löschen.
Vielen Dank für das interessante Gespräch, ich hoffe ich sprenge Deine 4-Stunden-Woche nicht.
M: Die habe ich dank Abitur sowieso nicht und irgendwie bin ich nicht so der 4 Stunden Typ, wenn ich mehr Zeit habe, nehme ich mir einfach ein neues Projekt vor.



Reader Comments