Tim Pritlove, Meister der Metaebene und umsatzstärkster Flattermann, hat einen ausführlichen und sehr empfehlenswerten Erfahrungs- (und Einnahme-) Bericht über seine mittlerweile zwei Jahre mit Flattr veröffentlicht.
Darin versteckt findet man eine interessante Aussage zum iOS-Podcast-Empfänger Instacast:
Programme [...] verdienen an jeder Transaktion mit (das sogenannte Revenue Sharing). Dies geht wiederum NICHT zu Lasten der Geflatterten, für die sich dadurch nichts ändert. Tatsächlich teilt Flattr ihren 10% Anteil mit der durchleitenden Applikation. Wer sich früher über die vermeintlich hohen Transaktionskosten an Flattr geärgert hat wird jetzt vielleicht verstehen, warum das hier sogar ein Segen sein kann.
In der Tat wurde die Höhe der Flattersteuer seit Beginn des Dienstes unter anderem damit verteidigt, daß man an Ausschüttungsprogrammen für Partnerdienste arbeite, und sich die 10% eines Tages mit anderen teilen wolle. Allerdings war damals eher die Rede von Portalen, die die Erstellung und Verbreitung von kostenfreien Inhalten ermöglichen, und nicht von einfachen Marketingpartnern, die "lediglich" Flattr-Knöpfe für sowieso vorhandene Inhalte unters Volk bringen.
Von Flattr selbst gibt es hierzu keine Aussagen, insbesondere, wie man sich für diesen Dienst qualifizieren kann, und wer ihn außer Instacast noch nutzt. Nicht nur im Sinne von Transparenz, sondern auch als positive Selbstdarstellung und Anreiz für weitere Software-Entwickler könnte es wirklich nicht schaden, wenn Flattr hierzu etwas offizielles herausgäbe.
Denn auch wenn die scheinbare Entscheidung zugunsten von Klicklieferanten anstelle von Wertschöpfern wie libre.fm oder Demotix als pragmatischer Kompromiss entgegen der ursprünglichen Vision etwas enttäuschen mag, so ist es doch verglichen mit dem Ist-Zustand (Flattr behält 10% für sich) ein Fortschritt. In Pritloves Worten:
Ich kann hier keine belastbaren Zahlen vorlegen, aber seitdem Instacast Flattr nachgerüstet hat, gehen die Beteiligungszahlen und Episoden-Flattr-Klicks durch die Decke. [...] Hier scheint mir das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht, denn Instacast deckt derzeit sicherlich nur einen verschwindend geringen Anteil aller Hörer ab, trotzdem sind die Auswirkungen jetzt schon spürbar.
In der Integration mit mobilen Anwendungen scheint mir ein großes Potential zu liegen und speziell bei Podcasts hat sich hier ein interessanter Kreis geschlossen: der Podcaster bietet seine Dateien zum Download, die letztlich auf einem Mobiltelefon landen, das beim Abhören automatisch eine Mikrobezahlung durchführt. Das ganze mit null Benutzerinteraktion. Ein Traum.
Und gut für alle Beteiligten: der Podcaster wird finanziell unterstützt, der Podcast-Client-Entwickler partizipiert daran und der Hörer kann sich zu einer selbst bestimmbaren Bezahlflatrate bei all den Angeboten bedanken, die er auch wirklich konsumiert und diese am Leben erhalten. Eine Win-Win-Win-Situation.
